Die Beseitigung der letzten Probleme - und die endgültige Vollendung!


 

"Der letzte Schliff"

Nachdem der Büffel nun endlich fertig war, wurde ein Sachverständiger von der DEKRA bestellt, um ein Wertgutachten zu erstellen.


Der Gutachter war von der Arbeit begeistert und entsprechend gut file das Wertgutachten aus.

Jetzt, da das Gutachten vorlag, konnte die GT 750 A entsprechend versichert werden und die Zulassung erfolgen. Zu meiner Freude war das Kennzeichen GT 750 nicht vergeben, so dass ich sie auf diese Nummer zuließ.

Das Kennzeichen war montiert, das Wetter passte und die erste Probefahrt konnte beginnen und endete nach ca. 3 Kilometern. Der Motor ging einfach aus.

Zurück in der Werkstatt fand ich den Fehler verhältnismäßig schnell, denn als ich den Tankdeckel öffnete, gab es ein deutliches Ansauggeräusch. War doch glatt die Entlüftungsbohrung des Tankdeckels so verstopft, dass die Vergaser durch den Unterdruck, der sich dadurch bildete, keinen Sprit bekamen.

Nach der Reinigung dieser Bohrung lief der Motor jetzt anstandslos.

Also auf zum nächsten Proberitt.

OK, also der Büffel lief, fuhr auch nicht schlecht, jedoch hatte er heftige Vibrationen und vom Anzug hatte ich mir mehr erwartet. Irgendwas passte da noch nicht so richtig.

Nach ca. 40 Kilometern wollte er dann nicht mehr per E-Starter anspringen und musste angekickt werden. Als wir dann zum Abschluss der ersten Fahrt an einer Eisdiele einkehrten, stellte ich Kühlwassertropfen unter dem Büffel fest.

Also gut, es gab diverse Probleme mit dem Büffel, was natürlich nach solch einer kompletten Restauration, bei der möglichst viele Originalteile erhalten wurden, nichts ungewöhnliches ist.

Es ärgert einen zwar, aber es hilft nichts, da muss man nochmal ran.

Was hatten wir denn für Mängel?


1. Die Lichtmaschine lädt die Batterie nicht!

2. Die Leistungsentfaltung des Motors ist ungenügend und er hat starke Vibrationen!

3. Es gibt einen undefinierbaren Wasserverlust!

4. Die Bremswirkung der vorderen Doppelscheibenbremse ist mäßig!


Als erstes nahm ich mir dem Wasserverlust vor und konnte rein gar nichts finden. Durch den Fahrtwind war das Kühlwasser unten am Motorblock verteilt, so dass ich diesen erst einmal trocken wischte.


Am nächsten Morgen waren wieder Tropfen unter dem Büffel, hauptsächlich im Bereich des Seitenständers, wo ich jedoch nichts fand, was in irgendeiner Weise mit dem Kühlwasser zu tun hatte. Ich war ratlos!

Eine Anfrage auf www.zweitakt-freunde.de brachte dann die Antwort. Ein Motorgehäusebolzen, und zwar der mit der Nummer 13, geht durch einen Kühlwasserkanal und ist der einzige Bolzen, der anstatt einer Stahlbeilagscheibe zum Abdichten einen Kupferdichtring benötigt.

Dieses kleine aber wichtige Detail, hatte ich übersehen.

 

Als ich diesen Bolzen dann herausschraubte, tröpfelte munter das Kühlwasser.

Mit dem dann untergelegten Kupferdichtring war der Motor von diesem Zeitpunkt an dann staubtrocken.

Das Problem der nicht ladenden Batterie verursachte mehr Kopfzerbrechen.

Anscheinend war der Lichtmaschinenregler hinüber, aber auch der Gleichrichter machte mir keinen guten Eindruck. Da ich beiden Regelteilen nicht wirklich traute, entschloss ich mich ein modernes elektronisches Bauteil, welches Gleichrichter und Regler in einem enthielt, einzubauen.

Bei der Firma Electrexworld England wurde ich fündig und bestellte einen Regler, der beides beinhaltete.

Nachdem der Regler seinen Platz an der Stelle, wo früher der Gleichrichter saß, gefunden hatte, wurde erneut eine Probefahrt unternommen mit dem ernüchterndem Ergebnis, dass der Büffel nach ca. 40 Kilometern seine Batterie soweit leergesaugt hatte, dass es für den E-Starter nicht mehr
reichte.


Erschreckenderweise hatte sich durch den Einbau der neuen Lichtmaschine rein gar nichts geändert. Der Strom aus der
Lima entsprach den Vorgaben, jedoch kamen an der Batterie nur 9 Volt an, was zum Laden viel 
zu wenig war.

 

Da Elektrik nicht wirklich zu meinem Fachgebiet zählt, bat ich meinen Freund Peter Mehnert um Hilfe und Peter lokalisierte den Fehler recht schnell. Es war erneut der Kabelbaum, der ja komplett neu war, für diese Ursache verantwortlich.

Man hatte schlicht und ergreifend ein Kabel, das als Querverbindung zur Batterie führt, vergessen. Nachdem dieses Kabel gelegt war, lud auch die Lichtmaschine die Batterie.

Peter maß dann gleich noch die alte Lichtmaschine durch und stellte fest, dass diese völlig in Ordnung war.

Also gut, die Investition einer neuen Lichtmaschine hätte ich mir sparen können, aber was soll's, wer weiß für was man mal eine Büffellichtmaschine und das eine oder andere braucht.

Es traten seitdem nie wieder Probleme mit der Ladespannung auf.

 

Das dritte der vier Probleme war auch recht witzig. Ich monierte ja mangelnde Leistung und starke Vibrationen.GT750A 405


Also machte ich einmal die Zündkerzen heraus um eventuell über das Kerzenbild Rückschlüsse auf die Ursache zu finden.


Und dies gelang dann auch. Deutlicher konnte die Aussage der Zündkerzen nicht ausfallen. Der mittlere Zylinder bekam anscheinend keinen Kraftstoff. Alle Probefahrten waren dementsprechend nur mit zwei Zylindern erfolgt.

Dafür war die Leistung dann aber doch recht ordentlich und ich freute mich auf die Leistungsentfaltung des Motors, wenn er erstmal auf allen drei Zylindern läuft.

Also jetzt musste erstmal die Ursache gefunden werden und ich dachte sofort an die Vergaser, denn ein Zündfunke war klar vorhanden. Doch die Vergaser waren ebenfalls mit viel Aufwand überholt und gründlichst im Ultraschallbad gereinigt worden.

Wieso bekam der mittlere Zylinder keinen Sprit? Also gut es half nichts - die Vergaserbatterie musste nochmal raus.

In den Schwimmerkammern zeigte sich das Problem dann auch ganz klar. Während in der linken und rechten Schwimmerkammer der Kraftstoff stand, war die mittlere Kammer völlig leer - vielmehr, diese war absolut staubtrocken.

Also blies ich die Kraftstoffzuleitung mit 8 bar Druckluft durch - es ging nichts durch!

Erst als ich den Druck auf 12 bar erhöhte, gab es ein leichtes zischen und plötzlich einen Knall. Mit viel Getöse flog ein kleiner, steinharter und ca. 5 mm langer Rostklumpen aus der Zuleitung. Der hatte sich bis dato gegen alle Reinigungsversuche tapfer gewehrt, musste jetzt aber doch aufgeben.

Nun floss der Kraftstoff auch in die mittlere Schwimmerkammer und ich baute die Vergaserbatterie wieder ein.

Beim ersten Start zeigte sich sofort, dass der Motor jetzt ganz anders klang und viel besser am Gas hing. Um ganz sicher zu gehen, dass jetzt alles passt, synchronisierte ich dann gleich noch die Vergaser.

Jetzt lief der Büffel wie es sein sollte, die Vibrationen waren fast vollständig weg und der An- und Durchzug waren für ein 38 Jahre altes Fahrzeug erstaunlich.

Jetzt war auch mir klar, wo die Bezeichnung Büffel her kam. Er strotzte nur so vor Kraft und schwang sich mit zwei Personen zu beachtlichen 185 km/h Höchstgeschwindigkeit auf.

Nebenbei korrigierte ich noch den Sitz der Hupe, denn diese war etwas zu tief angebracht und es bestand die Gefahr, dass diese beim Einfedern der Gabel das Schutzblech berührt.

Die vordere Doppelscheibenbremse war in ihrer Wirkung absolut mäßig. Ich beschloss die damals verbauten Brembo Bremsbeläge gegen Originale von Suzuki zu tauschen und verbesserte damit merklich die Bremswirkung.

 

OK - damit waren alle Fehler beseitigt.

Der Büffel lief wie eine eins, es tropfte kein Kühlwasser mehr und die Lichtmaschine lud schön die Batterie.

Bis auf die letzten Highlights, die ich schon vor Monaten bestellt hatte, war die Suzuki GT 750 A vollkommen fertig.

Es fehlten ihr nur noch das wunderschöne zeitgenössiche Zubehör: Der GT-Gepäckträger und Motorschutzbügel. Denn diese Teile waren inzwischen eingetroffen.

Nach der Montage der Teile war ich restlos begeistert, wie schön diese an dem Büffel aussahen - das war für meine GT das letzte "i"-Tüpfelchen.


Und hier die endgültigen Bilder eines wahrgewordenen Jugendtraums in seiner ganzen Schönheit.

Damit endet dieser vierteilige Restaurationsbericht meines Jugendtraumes einer Suzuki GT 750 A, Baujahr 1975.

Der Büffel war eine große Herausforderung, die ich gerne angenommen habe und wenn man die letzten Bilder betrachtet, wird mir wohl jeder Recht geben, dass dieses Ergebnis den ganzen Aufwand rechtfertigte.

Diese GT 750 A wird niemals zum Verkauf stehen, da in ihr auch ganz viele Erinnerungen an meinen geliebten Sohn Nicola André stecken - es wäre irgendwann mal seine geworden.


Das auch andere die Menge Arbeit zu würdigen wussten, zeigte sich darin, dass mein Büffel beim Jahrestreffen des WBC (Wasserbüffel-Club) den Preis für den schönsten Wasserbüffel 2013 errang.


Zwei Monate später gab es dann beim Herbsttreffen des WBC Region Stuttgart noch einmal die selbe Ehrung.

So etwas ist dann der ganze Stolz des Restaurators und er weiß, für was er all die vielen Stunden und das Herzblut in das Projekt gesteckt hat.